Zum ersten Mal sah ich meinen Freund in einer Schwulenbar. Er war so groß, so kräftig, und ich hatte ein wenig Angst vor ihm. Doch dann lächelte er so süß, so liebenswert, und er hatte diesen niedlichen deutschen Akzent. In jener Nacht ging ich mit zu ihm. Aus einer Nacht wurden sieben Monate. Heute abend ging ich allein in diese Bar. Ich glaubte, meinen Freund in der Menge zu sehen. Sein Kopf überragte die anderen. Doch als ich wieder hinschaute, war es nur ein Luftballon. Seit er weggegangen ist, habe ich keinen anderen Mann kennengelernt.

Nachdem er Berlin, Paris und New York verlassen hatte, kam er für ein Jahr hierher, um Film zu studieren. In den letzten drei Jahren war er zu viel unterwegs. Er sagte mir, er wolle nicht noch einen Geliebten verlassen. Er wolle im Moment keinen Freund haben. Wir diskutierten, ob wir zusammenbleiben sollten. Ich verließ ihn immer wieder. Doch am Ende kehrte ich immer an seine Seite zurück. Nachdem ich ihn das letzte Mal verlassen hatte, sprachen wir zwei Wochen nicht miteinander. Als ich ihn schließlich anrief, war er schon weg.

Wir kamen oft in dieses Café. Einmal stand ich hier und wartete auf meinen Kaffee. Und plötzlich zog er mich in seine Arme, und wir begannen zu tanzen. Ich war so glücklich, mir war es egal, wer uns zusah.

Er schenkte mir seinen alten italienischen Espressokocher. Ich weiß noch, wie er den Kaffee immer überkochen ließ. Als ich den Espressokocher zum ersten Mal benutzte, roch es wie bei ihm zu Hause. Ich mußte fast weinen. Jetzt riecht es bei mir nach gar nichts mehr.

Mein Freund schaute sich jeden Abend einen Film an. Er lachte über jeden Witz, selbst wenn er das Englisch nicht verstanden hatte. Manchmal mußte er den Film anhalten, um ins Wörterbuch zu schauen oder mich zu fragen. Am nächsten Tag übte er alle neuen Vokabeln. Er sprach wie ein Teeny aus den 60igern. Ich half ihm bei seinen Film-Aufgaben. Wir machten sogar zwei Filme zusammen. Doch ich habe kein einziges Bild von ihm.

Seitdem er weg ist, scheint es immer zu regnen. Kaffee hat seinen Geruch verloren. Songs haben ihr Feeling verloren. Alles ist kalt und grau.

Manchmal, im Dunkeln, erinnern mich andere Männer an ihn.

Gestern abend hat mir jemand am Telefon erzählt, daß mein Freund nach Los Angeles gegangen sei, um Filme zu machen. Manchmal schaue ich am Ende eines Films, ob ich seinen Namen entdecke. Ich weiß, daß ich ihn eines Tages wiederfinden werde.

Übersetzung: Hans