„Rice Queen“? Das ist jemand, der... Das ist ein weißer Typ, der auf Asiaten steht. Das ist ein Ausdruck, den ich kenne, seitdem ich in Berlin bin. Seit vier oder fünf Jahren.

Wenn ich davon redete, war mein erster Eindruck immer ein wenig lustig, amüsiert. Aber letztendlich denke ich, dass es trotz allem recht neutral ist. Es ist nicht... zumindest hier in Berlin wird man nicht wirklich verurteilt. Ich glaube letztendlich, dass jemand, der 50 Jahre und eine Rice Queen ist, anders angesehen wird als jemand, der 30 oder 40 Jahre alt und eine Rice Queen ist.

Ich benutze es aber nicht wirklich für mich selbst. Höchstens aus Spaß manchmal. Aber nicht im Ernst. Weil ich es nicht so sehr mag... Weil... Weil es einen ein wenig in eine Schublade steckt.

Die meisten meiner Freunde, die keine Rice Queens sind, sagen nur: „Ich könnte nie mit einem Asiaten etwas anfangen!“ Andererseits habe ich viele Asiaten getroffen, die... die zum Beispiel nie mit einem Schwarzen anfangen könnten. Meistens sage ich nichts. Weil ich nichts zu sagen habe. Vielleicht wollen die meisten nur mit Leuten etwas anfangen, die ihnen ähneln. Das ist vielleicht ein wenig narzistisch. Aber bei mir ist das nicht so.

Ich glaube, als ich zum ersten Mal einen Asiaten gesehen habe – das war in der Musikschule, als ich 10 oder 12 Jahre alt war – wurde mir bewusst, dass ich körperlich von ihm angezogen war. Aber nicht von den anderen Schülern. Obwohl es auch andere Schöne gab, selbst später in der Oberstufe.

Da war noch eine andere Sache – und das ist komisch, das habe ich heute noch. Das ist eine Art... Ich glaube, ich traue mich nicht mit weißen Männern... weil ich mich mit ihnen nicht wohl fühle. Und ich weiß eigentlich nicht warum. Es wäre komisch für mich, mit einem Weißen auszugehen, mit ihm zu schlafen, weil... Vielleicht ist er mir zu ähnlich, ich weiß es nicht.

Aber mit einem Asiaten – weil ich von Natur aus eher schüchtern bin – aber mit den Asiaten war ich noch nie schüchtern. Das heißt, ich konnte mich schon immer vor einem Asiaten ausziehen oder mit ihm schlafen.

Also... Einfach ins Schwimmbad zu gehen und mit nacktem Oberkörper vor Weißen zu stehen, ist mir unangenehm. Aber vor Asiaten ist es mir nicht peinlich. Und das ist... eine gute Frage.

Was mich an ihm anzog... Ich glaube, am Anfang war es der Unterschied. Wie gesagt... Er war selbst ganz anders, deshalb weiß ich nicht, ob er wirklich repräsentativ ist. Aber ich glaube, es war die Idee, die ich liebte – und ich bin in diese Geschichte hineingeraten mit meinen Klischees – Also: „Ich bin weiß, er ist Asiate.“ Aber ganz schnell hatten die Klischees keine Bedeutung mehr. Das heißt, er war einfach er, und ich war einfach ich.

Oftmals, wenn ich ihn meinen Freunden zum ersten Mal vorstellte, meinten manche von ihnen hinterher zu mir: „Aber du hast mir gar nicht gesagt, dass er Asiate ist!“ Und dann dachte ich immer: „Ja klar! Weil ich selbst gar nicht mehr daran denke.“ Vielleicht hätte ich in den ersten Wochen gesagt: „Ich bin mit einem Asiaten zusammen.“ Aber ab einem gewissen Punkt nannte ich ihn nur noch bei seinem Namen. Und ich sagte: „Na und?“ Das war es eigentlich.

Und das war wirklich interessant. Die Tatsache, dass es keine... dieser Barrieren mehr zwischen uns gab.